Barbara alias Kunschtwerk und die Medien

Die Ankündigung kam schon letztes Jahr: Das Telefon auf meinem Schreibtisch im Archiv klingelte. Es war eine Redakteurin unserer Regionalzeitung „Schorndorfer Nachrichten“ und sie wollte ein Interview mit mir vereinbaren – über mich und meine Arbeit im Archiv. Natürlich fühlt man sich da geschmeichelt, aber eigentlich mag ich das gar nicht. Gerne geb ich Auskunft zu einem Thema. Aber ein Interview bei dem das Thema ausschließlich ich selber bin 😮 ? Oje oje!

Alles Jammern half nichts, der Termin kam mit großen Schritten auf mich zu. Das Gespräch mit der Redakteurin war richtig nett – sie heißt ja auch Barbara klar ;-). Also alles in allem ein runder Termin. Auf den Zeitungsartikel war ich ja dann doch sehr gespannt und als er dann am 08.02.2017 erschien, war ich natürlich doch auch ein bisschen stolz *blush*

Wer also wissen will, was ich sonst so mache, wenn ich mal nichts mit Wolle zu tun habe – bitteschön – hier geht’s zum Artikel: Über Umwege ins Stadtarchiv

Und wenn ich schon mal dabei bin. Ein kurzer Landesschau-Beitrag des Südwestrundfunk zum (wahrscheinlich) ersten Verkehrsunfall der Weltgeschichte in dem Schondorf eine nicht unwichtige Rolle spielt und mir somit zu einem Fernsehauftritt verholfen hat: Erster Verkehrsunfall der Weltgeschichte

Wanderschäferei in Württemberg

Gestern führten mich meine Termine mal wieder in meine alte Heimat und so fuhr ich über die schöne Schwäbische Alb . Ich freue mich dann immer über die tolle Landschaft, aber als ich gestern dann auffällig viele Schafe gesehen habe, wurde ich regelrecht sentimental. Wie gut hat es doch ein Schäfer auf der Alb: Er ist immer an der frischen Luft, sieht immer diese tolle Landschaft, hat keinen Termindruck und auch sonst keinen Ärger.

Doch dann mir fiel ein, dass ich vor einiger Zeit einen Artikel über die Wanderschäferei in Württemberg geschrieben und bei der Recherche dazu gelernt habe, dass das Leben eines Wanderschäfers alles andere als romantisch war und ist. Aber lest selbst:

Das einfache Leben eines Wanderschäfers? – Die Anfänge der privaten Wanderschäferei am Beispiel Württembergs

Ach, wie romantisch stellte man sich das vor – das einfache Leben eines Wanderschäfers, der den ganzen Tag in der freien Natur verbringen kann, keinen Termindruck hat und nichts und niemand Rechenschaft schuldig ist, außer seinen Schafen und vielleicht seinen Hunden. Je weiter man in der Geschichte zurückgeht, desto romantischer wird dieses Bild. Doch, man ahnt es schon: Ganz so sah es in Wirklichkeit wohl nicht aus. Aber wie war es dann, das Leben der Wanderschäfer?

Vorgeschichte

Um die Anfänge der Wanderschäferei in Württemberg zu verstehen, muss man ins 12. und 13. Jahrhundert zurückblicken. In dieser Zeit kam es hier im Südwesten zu den ersten Städtegründungen. Durch das Aufkommen der städtischen Handwerker wie Weber, Walker und Färber wurde der Bedarf an Wolle immer größer. Die Handwerker versorgten sich in erster Linie mit Wolle von örtlichen Schäfern, die ihre Schafe zur Bewirtschaftung des bei der Dreifelderwirtschaft brachliegenden Ackerlandes einsetzten. Aber die Nachfrage war oft so groß, dass sie die Wolle in der entsprechenden Qualität nicht mehr liefern konnten. Wolle wurde schließlich zum Wertgegenstand und das Tuchmachergewerbe erreichte somit seinen Höhepunkt.

Parallel dazu besaßen die Grafen und späteren Herzöge von Württemberg sowie die Klöster des Landes viele Ländereien und ihnen gehörten im ausgehenden Mittelalter auch die größten Schafherden in Württemberg. Sie alleine verfügten über die so genannte „Schäfereigerechtigkeit“, die es nur ihnen erlaubte, Schafe über die Wiesen ihrer Untertanen zu treiben. Somit waren es herrschaftliche und klösterliche Schäfereien, die Wolle in entsprechender Qualität an die städtischen Handwerker liefern konnten. Ein Geschäft, das sich bis dahin wohl lohnte.

Anfänge der Wanderschäferei

Das Jahr 1590 kann als die Geburtsstunde der privaten Wanderschäferei in Württemberg angesehen werden: Der Herzog von Württemberg gab die Schafhaltung auf, da diese sich für ihn angeblich nicht mehr rentierte. Er verpachtete sowohl Vieh als auch Wiesen an seine Untertanen und übergab ihnen damit auch die Schäfereigerechtigkeit, d. h. das Recht württembergische Wiesen zu überqueren. So konnten erstmals Schäfer auf eigene Rechnung und ohne herrschaftlichen Auftrag, mit ihren Herden in Württemberg frei umherziehen. Kurz darauf sah es mit dem Verdienst im Schafgeschäft wohl wieder besser aus, denn die württembergischen Herzöge kehrten zu eigenen Schäfereien zurück. Um sich mit den privaten Wanderschäfern nicht allzu sehr in die Quere zu kommen, trieben sie ihre Schafe nun auf Wiesen der früheren Klöster. Im Endeffekt waren es aber zu viel wild umherwanderte Schafherden, die schon bald als Plage empfunden wurden. Der Ruf nach einer geregelten Wanderschäferei im Land Württemberg wurde laut.

Das Ende der Freiheit?

Es kam zur Einführung eines ersten Regelwerks: dem so genannten „Landgefährtsbriefs“, den der Wanderschäfer immer mitführen und einmal im Jahr von der Herrschaft genehmigen lassen musste. Von nun an konnten also nur noch vom Herzog genehmigte Schäfer mit ihren Schafherden durchs Land reisen. Diesen Landgefährtsbrief musste der Schäfer dem jeweiligen Dorfschultheiß auf Verlangen vorgelegen. War der Brief abgelaufen und nicht mehr gültig, konnte der Dorfschultheiß sowohl den Brief einbehalten als auch den Schäfer mit seinen Tieren von den Gemeindewiesen abweisen. War der Brief gültig, musste der Dorfschultheiß dem Schäfer die Durchreise gewähren und ihm sogar noch Kost und Logis anbieten.

Mit dem 30jährigen Krieg verlor Württemberg über 3/4 seiner Bevölkerung und das Land verelendete. Es war keiner mehr da, der sich um die Landwirtschaft hätte kümmern können, entsprechend stand es um die Viehwirtschaft. Die wenigen kleinen, noch vorhandenen Schafherden litten häufig an der durch Parasiten ausgelösten Räude, einer ansteckenden, juckenden Hautkrankheit, die die Wolle zerstört. Um die Land- und Viehwirtschaft im Land wieder aufzubauen und gleichzeitig aber der Ausbreitung von Krankheiten entgegenzuwirken, musste die Obrigkeit handeln. Letztlich führte sie 1723 eine neue Schafordnung ein, die die Wanderschäferei zwar regulierte, aber den Schäfer auch stark unter Druck setzte. So durfte sich der Wanderschäfer von nun an nicht mehr frei seine Wanderroute aussuchen, sondern musste sich auf festgelegten Routen bewegen. Auch durfte er nicht länger an einem Ort verweilen, als das der Landgefährtsbrief vorsah oder der Dorfschultheiß es genehmigte.

Schon dieser kurze historische Abriss zeigt, dass selbst in der guten alten Zeit von einem einfachen Leben ohne Vorschriften, in vollkommener Freiheit nicht die Rede sein konnte. Aber ist es nicht auch beruhigend zu wissen, dass man es heute auch nicht schwerer hat als früher?

Nadelbinden – was bitte?

Nadelgebundenes im Oslo-Stich

Was ist Nadelbinden?

Beim Nadelbinden wird ein endlicher Faden mit einer Nadel in Schlingen gelegt und durch einen Verbindungsstich miteinander verbunden, wobei der gesamte Fadenvorrat durch die Schlinge gezogen wird.

Geschichte und Herkunft

Nadelbinden ist eine sehr alte Erfindung des Menschen, das belegen Funde aus der jüngeren Steinzeit. Berühmt sind vor allem bronzezeitliche skandinavische Funde. Auch gibt es in Skandinavien eine ungebrochene Nadelbinde-Tradition, weswegen sich die skandinavische Bezeichnung Nålbinding heute weitestgehend durchgesetzt hat. Bei uns in Deutschland war die Technik ausgestorben, da sie ab dem 13. Jahrhundert durch das aus der arabischen Welt eingeführte Stricken langsam verdrängt wurde. Eine Wiederentdeckung und -belebung des Nadelbindens erfolgte bei uns erst in jüngster Zeit vor allem durch den großen Zulauf zur living-history- und re-enactment-Szene.

Was braucht man?

Nadelbindenadeln
Nadelbindenadeln

Man benötigt nur eine Nadelbinde-Nadel und ein Garn aus echter Wolle, das sich filzen lässt. Die Nadelbinde-Nadel ist deutlich größer als eine normale Nähnadel. Sie ist ca. 10 cm lang, bis zu 0,5 cm breit und dabei relativ flach. Sie hat ein großes Öhr, damit man die dicke Wolle hindurch bekommt und vor allem hat sie eine stumpfe Spitze, so dass man damit nicht das Garn durchsticht, sondern die Nadel immer durch die Schlingen schlüpft. Traditionell werden Holz-, Horn- oder Knochennadeln benutzt.