Juni – und der Garten ruft

Meine Heckenrose im Juni
In Gärtnerkreisen wird der Juni auch „Rosenmonat“ genannt, da die Rosenblüte hier ihren Höhepunkt hat. In meinem Garten hatten die Rosen bereits ihren Höhepunkt – nämlich Besuch von meinen 4 Damen 🐑🐑🐑🐑. Ein offenes Gartentürchen ist für neugierige Schafsdamen halt doch sehr verlockend und dem Rosenduft können sie sich einfach nicht entziehen. Gerne hätte ich Euch ein tolles Foto von meinen Rosen in voller Pracht gezeigt, so sind es nun nur noch einzelne Bilder meiner „Überlebenden“ 😢

Meine rote Rosen in voller Blühte im Juni

Eine orange Rose aus meinem Garten

Bis vor kurzem hatte ich noch gar nicht das Gefühl im Sommer angekommen zu sein. Es war eigentlich für zu kühl für Juni, aber seit ein paar Tagen können wir uns über fehlende Wärme hier nicht mehr beklagen. Im Gegenteil, es ist schlagartig richtig heiß geworden. Das hat klar zur Folge, dass es oft Gewitter gibt, die im Anschluss tolle Nebellandschaften entstehen lassen. Und schon allein dafür liebe ich den Juni – diese Stimmungen.

Gewitterhimmel im Juni

Bei diesen Bilder wird mir sofort klar, warum meine Gegend hier früher „Nibelgau“ genannt wurde.

Nebel steigt aus den Wäldern im Juni

Und regt dieser Name zusammen mit diesen Bildern nicht auch sofort Eure Fantasie an?

Nebel im Juni

Um ganz in der Tradition zu bleiben, haben wir angefangen, einen Garten anzulegen. Im Mittelalter nannte man den Juni nämlich „Brachmond“, da in diesem Monat die Bearbeitung der Brache begann – also das Feld der Dreifelderwirtschaft, das für dieses Jahr brach lag und keine Frucht trug. Naja, bei uns war es kein Feld, sondern erst mal ein Hochbeet – zwei sogar. Das ist wahrscheinlich immer auch noch kein ganzer Garten, aber ein Anfang ist es allemal. Hochbeete sind ja ganz im Trend, aber bei uns sind sie einfach nur nützlich. Silas und Locksley, unsere beiden Hunde, würden unsere kleinen, zarten Pflänzchen wahrscheinlich achtlos niedertrampeln. Im Hochbeet haben diese nun Schutz und können ungestört wachsen. Wie wir die Hochbeete angelegt und was wir gepflanzt haben, berichte ich euch in den nächsten Tagen.

Neu angelegte Hochbeete

Und hier zu guter Letzt noch ein „Funfact“ zum Juni🤓:
Kein anderer Monat mit Jahr fängt mit demselben Wochentag an als der Juni. Dieses Jahr fing der Juni mit einem Samstag an – für die, die es gerne überprüfen möchten 😉.

Mai – dieser Monat ist ein Kuss

Dieser Monat ist ein Kuss,
den der Himmel gibt der Erde,
dass sie jetzund eine Braut,
künftig eine Mutter werde.
(aus dem Sinngedicht „Der Mai“ (1654) von Friedrich von Logaus (1604-1655)

 

Endlich ist er da – der Mai! Wusstet ihr, dass der Monat Mai früher „Blumenmond“ genannt wurde, da jetzt die meisten Blumen blühen? Das finde ich wirklich sehr bildhaft und lyrisch. Die deutsche Sprache kann doch wirklich schön sein. Und tatsächlich bereitet uns der Mai ein wahres Feuerwerk an Farben, als ob uns die Natur einen Startschuss geben möchte und sagt: „Jetzt aber los“. In einem alten Volkslied heißt es „Alles neu macht der Mai“ und irgendwie ist da ja was dran – schließlich macht er aus kalt warm, aus grau bunt. Er ist der Monat des Neubeginns, der neue Chancen und Hoffnungen in sich trägt und die Energie dafür liefert er auch gleich mit. Und so regt sich auch in mir ein magischer Neustart, aber davon in Kürze mehr.

Gänseblümchen

 

Auf jedem Fall ist die Welt nun wieder hell und licht, voller Farben, Blüten, Heiterkeit und Leichtigkeit. Beim Aufwachen morgens höre ich Vogelgezwitscher, als ob die Vögel den Frühling ebenfalls feiern. Ich freue mich auf meinen morgendlichen Tee auf meiner sonnigen Terrasse und staune über das Erwachen des Lebens. Ich halte meine Nase in die sanfte Brise, die mir den unglaublichen Geruch von neu erwachenden Bäumen und Sträuchern in die Nase weht. Die Welt riecht im Frühling wie neugeboren, findet ihr nicht? Der Mai lässt mich aufatmen, macht meine Seele wieder munter und zieht mich hinaus auf die Wiesen und in die Wälder.

Abendstimmung auf der Wiese

 

Auch das Vieh hat man früher im Mai wieder auf die Weiden getrieben und so führte Karl der Große im 8. Jahrhundert den Namen „winnimãnõd“ ein, was eigentlich „Weidemonat“ bedeutet. Das alte Wort „winne“ für „Weide“ verstand man im 16. Jh. nicht mehr und in „Wonne“ umgedeutet. Allerdings finde ich den Namen „Wonnemonat“ ja auch sehr schön, denn Freude bringt der Mai ja allemal. Der heutige Name „Mai“ kommt übrigens von der römischen Göttin Maia. Sie gilt als Großmutter der Magie und jungfräuliche Frühlingsgöttin, die uns Wärme und Wachstum bringt – und das passt ja auch. 

 

Das führt mich zum nächsten Symbol im Mai: den Maibaum. Er steht für die Blüte, das Wiedererwachen der Natur und stellt die Verbindung zwischen Himmel und Erde dar. Dabei sind die Ursprünge dieses Brauchs immer noch unklar. In der Romantik des 19. Jh. wurde er als Phallus gedeutet, der für Fruchtbarkeit und reiche Ernte sorgen sollte. Diese These wird heute allerdings verworfen. Oft werden germanische Riten als Ursprung genannt, da den Germanen Wälder und Bäume heilig waren. So wie wir den Maibaum heute kennen, kommt er aus dem 16. Jh. Damals diente er allerdings auch anderen Zwecken: als Kirchweihbaum, als Ehrenmaibaum für einzelne Personen oder als mit Preisen behängte Kletterstange. Erst seit dem 19. Jh. ist er als Symbol des Selbstbewusstseins einzelner Orte als Ortsmaibaum zu sehen.

 

Meine Perlen vom Hohenloher Wollfest 2019

Meine Perlen vom Hohenloher Wollfest

Eigentlich wollte ich schon letztes Jahr zum Hohenloher Wollfest, das hat leider nicht geklappt. Daher hab ich das diesjährige Wollfest gleich in meinen Kalender eingetragen, aber fast hätte es wieder nicht geklappt. Als wir am Samstagabend nach Hause kamen, empfing uns unser Kater Feirefiz mit blutigem Gesicht und einem tiefen Kratzer quer übers Auge. So gingen wir am Sonntagmorgen erst mal zum Tierarzt mit der Hoffnung, dass es schlimmer aussieht, als es ist. Es stellte sich heraus, dass der Kratzer zwar recht tief ist, aber Feirefiz sein Auge behält. Na, Gott sei Dank. Da unser Kater nach wohl verlorenem Kampf und Schmerzen, einer Autofahrt und Spritze für den Rest des Tages ziemlich bedient sein und seine Ruhe würde haben wollen, war es das Beste, dass der Rest der Familie das Haus verlässt. Also auf ins Hohenlohische zum Wollfest.

In der Markthalle in Blaufelden angekommen, entscheide ich mich zuerst für den helleren der beiden Räume. Dass es sich hier um eine Sporthalle handelt, merkt man leider sofort. Schön ist zwar, dass es viel Sitzmöglichkeiten gibt, aber zum Verweilen lädt es mich zumindest nicht ein. Ich fühle mich eher an eine Mensa- oder Bierzeltbestuhlung erinnert, gehe aber trotzdem bis ans Ende der Halle, da dort die Firma Filzrausch ihren Stand hat. Vorbei an viel Handelsware wie KnitPro-Nadeln, Regia- und Austermann-Wolle finde ich schließlich an mein Ziel, aber irgendwie irritiert mich die Pommes-essende Nachbarschaft und so kann ich das Angebot nicht wirklich genießen.Raum 1 des Hohenloher Wollfests

Ich entschließe mich, den anderen Raum zu erkunden. Hier ist auf jeden Fall die Atmosphäre deutlich besser und ich schlendere durch die Gänge. Viele Handfärber, ein paar Spinner und Filzer – das war’s. Keine kleinen unabhängigen Garnproduzenten, keine Designer oder sonstig coole Accessoires. Ich bin enttäuscht. Dafür bin ich nun 70km gefahren.Raum 2 des Hohenloher Wollfests

Mein Mann hatte zuerst noch eine Runde mit unseren Hunden gedreht und kommt nun aber auch in die Halle. Das freut mich, muss ich doch nun nicht mehr so alleine und verloren umherstreifen. Wir entscheiden uns, zuerst das körperliche Wohlsein mit etwas Essen zu fördern. Danach schaut die Welt auch schon wieder etwas fröhlicher aus. Ich zeige ihm, was ich schon gesehen habe und von dem ich denke, dass sich ein zweiter Blick lohnt.

Unser erster Stopp ist Fiber Passion. Die Farbpalette der Garne scheint genau für mich gemacht. Aber wie immer kann ich mich nicht durchringen, handgefärbte Garne zu kaufen – wo ich doch selber so viele habe. Was ich aber ebenfalls an diesem Stand finde sind ChiaoGoo-Nadeln. Da sich bei meinem letzten Tuch ständig das Seil meiner Addy Lace-Nadeln verdrehte, wollte ich doch schon beim Edinburgh Yarn Festival nach ChiaoGoo-Nadeln Ausschau halten. Dort hat mich allerdings das Angebot so überwältigt, dass ich die Nadeln leider völlig vergessen habe. Hier jetzt also meine Chance, die ich nicht verpasse😉.

Stand Fiber Passion

Unser nächster Halt ist der Stand von buttjebbyy, der mir schon allein durchs Logo ins Auge gestochen ist. Auch die natürlichen Farben der Garne sind echte Augenschmeichler. Aber, hab ich schon erwähnt, dass ich mich schwertue mit dem Kaufen von handgefärbten Garnen? Schöne handgefärbte Garne von Buttjebyy

Bodolina ist mit ihren tollen Stricknadel-Taschen auch in Hohenlohe – wir haben uns aber vor vier Wochen schon in Edinburgh gesehen. Die Strickwelt ist halt doch recht klein. Die Mädels vom Wollwerkraum geben uns geduldig Auskunft über ihre mitgebrachten Spinolution-Spinnräder, wollen uns aber partout keins „überlassen“😉. Ich versuch’s nächstes Jahr nochmal.

Der nächste Hingucker ist ein schönes Tuch mit Fair-Isle-Muster bei Rübezahl Spinnereien – ein Stand ebenfalls mit natürlich gefärbter Wolle.Schönes Fair-Isle-Tuch von Rübezahl Spinnerei

Toll geflochtener Kammzug von Yundi & GreteSchon beim ersten Durchgang fiel mir ein tollgeflochtener, handgefärbter Kammzug beim Stand von Yundi & Grete ins Auge und so bleiben Joachim und ich dort wieder stehen und bewundern sowohl die Flechtkunst als auch die Farbenpracht. Hier kann ich nun doch nicht widerstehen und erwerbe eines dieser Geflechte. Ob ich es jemals wage, dies auseinander zu nehmen?

Ein paar Meter weiter sticht aus der Menge von handgefärbter Wolle ein Stand mit Keramik hervor – Werkstatt für Gartenkeramik. Natürlich gibt’s hier die obligatorischen Garnschalen, aber auch Nettes anderes. So zum Beispiel auch „stumme“ Schafe. Joachim hatte sich morgens noch über unsere Svea (unser Coburger Fuchsschaf) geärgert, der anscheinend an diesem Tage das Gras leider nicht grün genug war😉… Über die Erklärung des „stummen“ Schafes kommen wir mit der Standeigentümerin Sabine Pesl ins Gespräch. Sie ist eigentlich Stahlgraveurin, arbeitet heute mit Ton und strickt sehr gerne. Was’ne Mischung: Von stahlhart bis wollweich. Ein sehr nettes Gespräch mit der Hoffnung auf eine Wiederholung nächstes Jahr am 18. und 19. April.Garnschalen von Werkstatt für Gartenkeramik