Farben mischen durch „Fraktales Spinnen“

Fertig gestricktes Tuch aus fraktal versponnenem Garn
Fertig gestricktes Tuch aus fraktal versponnenem Garn

„Fraktales Spinnen“ nennt man die Technik, mit der man in regelmäßigen Farbfolgen gestreifte Kammzüge fürs Spinnen vorbereitet, verspinnt und verzwirnt, um so die einzelnen Farben in einer bestimmten Reihenfolge in einem fertigen Strickstück (oder Häkelstück) zu erhalten.

Das Wort „fraktal“ geht auf den Mathematiker Mandelbrot zurück, der 1975 diesen Begriff prägte. Er leitete ihn von den lateinischen Begriffen „fractus“ (gebrochen) und „frangere“ (in Stücke zerbrechen) ab und bezeichnete damit geometrische Muster, die aus mehreren verkleinerten Kopien seiner selbst bestehen. Übersetzt bedeutet das, dass ein Kammzug so aufgeteilt wird, dass er aus vielen kleinen Kopien seiner selbst besteht (siehe Schema unten).

 

Ganzer Kammzug
Ganzer Kammzug

Der erste Schritt beim fraktalen Spinnen ist, sich die Farbfolge im Kammzug klar zu machen. Der Kammzug hier im Beispiel hat eine gespiegelte Farbfolge: blau – lila – grün – gelb – grün – lila – blau. Das ist sehr angenehm, da man bei einer solchen Farbfolge nicht darauf achten muss, von welchem Ende aus gesponnen wird; hat ein solcher Kammzug doch von beiden Seiten aus die gleiche Farbfolge. Bei anderen Farbfolgen sieht das allerdings anders aus. Hat man z. B. einen Kammzug mit der Farbfolge blau – lila – grün – blau – lila – grün, sollte man sich bewusst machen, von welchem Ende aus versponnen wird.

Schema Aufteilung Kammzug

Schema Aufteilung Kammzug

Aufgeteilter Kammzug

Aufgeteilter Kammzug

Der zweite Schritt ist der eigentliche fraktale Teil: der Kammzug wird der Länge nach in Streifen getrennt. Hierbei wird er zuerst in zwei gleich große Hälften geteilt. Die erste Hälfte wird zur Seite gelegt und die zweite Hälfte wird nochmals in mehrere Streifen geteilt. Im Beispiel hier sind aus der zweiten Hälfte am Ende acht gleich schmale Streifen geworden. Man sollte allerdings aufpassen, dass man die einzelnen schmalen Streifen nicht zu schmal macht, damit der einzelne gesponnene Faden (Single) nicht zu dünn wird.

 

Single 1. Hälfte mit langem Farbverlauf
Single 1. Hälfte mit langem Farbverlauf

 

Die erste Hälfte wird am Stück auf eine Spule gesponnen. Die einzelnen Farbabschnitte, die hier entstehen, sind ziemlich lang.

 

 

Single 2. Hälfte mit kurzem Farbverlauf
Single 2. Hälfte mit kurzem Farbverlauf

Die acht schmalen Streifen werden in der gleichen Farbfolge nacheinander auf eine zweite Spule gesponnen. Die Farbabschnitte, die hier entstehen, sind relativ kurz. Der Single besteht somit aus vielen kleinen Kopien des Farbverlaufs des ursprünglichen Kammzugs.

 

 

Zum Abschluss werden die beiden Singles zu einem zweifädigen Garn gezwirnt. Das so entstandene Garn wechselt regelmäßig zwischen gemischten und gleichen Farbbereichen.

Zusammensetzung eines fraktal gesponnenen Garns
Zusammensetzung eines fraktal gesponnenen Garns

Wie aus der Skizze zu sehen ist, trifft das Gelb des Singles aus der ersten Hälfte des Kammzugs auf das Gelb aus dem Single aus der 2. Hälfte des Kammzugs und ergibt somit einen komplett gelben Farbbereich. Das Grün aus dem Single der ersten Hälfte des Kammzugs trifft auf das Grün aus der zweiten Hälfte des Kammzugs usw.

Fertiges Garn
Fertiges Garn

 

Im fertigen Garn kann man gut erkennen, wie sich die einfarbigen mit den gemischten Stellen im Garn abwechseln.

 

Detailausschnitt des fertigen Tuchs
Detailausschnitt des fertigen Tuchs

 

Besser sieht man die Farbstreifen allerdings, wenn dieses Garn verstrickt ist.  Hier erkennt man die so entstehenden Streifen und Farbverläufe sehr viel deutlicher.

 

 

Hier im Beispiel wurde 2-fach verzwirnt. Natürlich kann die Technik auch bei Mehrfach-Zwirnen angewandt werden. Bei einem 3-fach-Zwirn wird der Kammzug in drei gleich Teile geteilt. Anschließend wird wieder der erste Strang auf die Seite gelegt, der zweite in drei Hälften und der dritte in mehrere, z.B. sechs schmale Streifen geteilt. Die Technik ist eine spaßige Art regelmäßig gefärbte Kammzüge zu verarbeiten.

Nachmachen dringend empfohlen!

Da ich nun schon öfter nach einer Anleitung für dieses Tuch gefragt wurde, verlinke ich hier zu der freien Anleitung auf Ravelry (allerdings auf englisch): Cadence Shawlette. Wenn ihr nicht mit englischen Strickanleitungen vertraut seid, dann gibt’s hier die deutsche Übersetzung dazu: Kadenz kleines Schultertuch

Kurs: Brettchenweben – Broschieren

fertige broschierte Borte

fertige broschierte BorteAm Wochenende vom 9. bis 10. April 2016 gebe ich beim Faserrausch-Spinntreffen in Schelklingen einen Brettchenwebkurs zum Thema Broschieren – für Fortgeschrittene und leicht Fortgeschrittene/Anfänger.

Vor allem im Mittelalter (600 – 1600) waren broschierte Brettchenborten weit verbreitet. Mit einfachem Gerät entstanden kunstvolle Bänder mit atemberaubenden Mustern.

Zum Broschieren benötigt man ein Grundgewebe, das beim Brettchenweben durch eine einfache Schnurbindung hergestellt wird. Mit einem zusätzlichen Schussfaden webt man ein Muster in die Bandoberfläche. Diese Technik ist nicht besonders schwer, sondern nur sehr zeitaufwändig, aber daher auch für Anfänger geeignet.

broschierte Borte in Bearbeitung
broschierte Borte in Bearbeitung

Im 1. Teil des Kurses lernen die TeilnehmerInnen das Schären einer Kette und anschließend das Weben eines Bandes in einfacher Schnurbindung. Im 2. Teil weben die TeilnehmerInnen ein einfaches broschiertes Band nach einer Vorlage. Im Anschluss daran kann ein selbst entworfenes oder ein komplizierteres Muster gewoben werden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Die TeilnehmerInnen benötigen Webbrettchen, zwei Webschiffchen, eine lange, stumpfe, dicke Nadel (idealerweise eine Stricknadel eines Nadelspiels) und einen Webrahmen. Wer mag, kann auch ganz traditionell am Gürtel weben. Garn für die Übungsbänder sowie Mustervorlagen werden im Kurs gestellt. Webbrettchen, Webschiffchen und weiteres Garn (Leinen, Baumwolle, Wolle) kann im Kurs erworben werden.

Die genauen Kurszeiten seht ihr hier und die Preise entnehmt Ihr bitte hier.